Tratschen

Nachfolgend eine schlüssige Erklärung, warum wir beide und die Menschen überhaupt so gerne tratschen:

„Mentalisierungsfähigkeit: Vermutlich besteht ein entscheidender Entwicklungsvorteil der Gattung Mensch darin, dass uns der Aufbau unseres Gehirns erlaubt, auf die Welt nicht nur gefühlsgesteuert zu reagieren, sondern sie auch in unseren Gedanken abzubilden. Wir können sogar fühlen und denken, was andere Menschen fühlen und denken. Wenn wir sehen, wie einem geliebten Menschen Schmerz zugefügt wird, tut das fast genauso weh, wie wenn wir diesem Schmerz selbst ausgesetzt sind. Es sind in uns tatsächlich auch die gleichen Hirnregionen aktiv. Diese Fähigkeit, Erleben mitzufühlen und dafür Worte zu finden, nennt man „mentalisieren“. Dies verbindet uns miteinander. Dadurch entsteht in uns eine innere Paralelwelt zur Außenwelt.

Tatsächlich dient der Großteil unseres Gehirns dazu, die Umwelt in uns abzubilden und uns dadurch mit den anderen Menschen verbinden zu können. Dies ist die Grundlage für eine Gruppenbildung, was vermutlich der entscheidende Vorteil der Menschen gegenüber den Affen war und uns erlaubt, auch in der Savanne zu überleben, wo ein einzelner Mensch rasch die Beute von Raubtieren wurde. Man spricht daher vom „sozialen Gehirn“ (social brain) des Menschen. Man kann in seinem Gehirn ca. 145 Menschen sicher auseinander halten. Diese Fähigkeit begrenzt die Größe der Gruppe, die wir bilden können. Das war etwa die Größe eines Stammes in der Urzeit. Wurde die Gruppe größer wurde sie geteilt. Die gemeinsame Innenwelt, die Erlebnisse, die Mythen und Sagen, die Regeln und der Galuben verbinden die Menschen. Man fühlt sich zusammengehörig. Das geht über die Blutsbande hinaus. Es ist eine gemeinsam geschaffene Innenwelt, die die Menschen miteinander verbindet. Beim „Tratschen“ stimmen wir unsere Innenwelten aufeinander ab. Daher ist Tratsch durchaus wichtig, liebe Männer!

Der Text stammt aus dem tollen Buch „Passt doch! Paarkonflikte verstehen und lösen mit der Schematherapie“ von Roediger, Behary und Zarbock. Wirklich lesenswert.

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