{"id":136,"date":"2015-03-10T19:05:59","date_gmt":"2015-03-10T19:05:59","guid":{"rendered":"http:\/\/michael-bollesen.de\/?p=136"},"modified":"2015-03-12T06:43:40","modified_gmt":"2015-03-12T06:43:40","slug":"ab-heute-wird-alles-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/michael-bollesen.de\/?p=136","title":{"rendered":"Ab heute wird alles anders"},"content":{"rendered":"<p>Auf drei geht\u2019s los.<\/p>\n<p>Ich hab mich jetzt viel zu lange wie ein verkaterter Ph\u00f6nix in meiner eigenen Asche gew\u00e4lzt. Ich hab meine Wiedergeburt vor mir hergeschoben wie &#8217;nen Buggy am Sonntag im Prenzlauer Berg. Ich bin vor langer Zeit mal in mich gegangen und seitdem schweigsam da geblieben. Mein Winterschlaf geht schon \u00fcber mehrere Winter, n\u00e4chstes Jahr sind es schon sieben. Ich hab mich wie eine Perle in einer Auster versteckt, die noch nicht mal bei Google Maps \u201eOrte\u201c zul\u00e4sst. Versteckt wie ein Kind in einer Festung aus Decken und Kissen mit Schildern aus Floskeln und Witzen ger\u00fcstet.<\/p>\n<p>Ich trage immer noch diese alte Maske als Schutz, darauf ist mein Gesicht von vorgestern gedruckt, und ich wei\u00df doch, dass du sie so gerne anguckst.<\/p>\n<p>Warum ich mich versteckt habe, fragst du?<\/p>\n<p>Ich hatte Angst und ich habe sie noch. Ja, ich habe Angst. Davor, mich so zu zeigen, wie ich eigentlich schon l\u00e4ngst geworden bin und davor, was du dann von mir denkst. Angst davor, dass du mich dann nicht mehr magst, nicht verstehst und nicht erkennst. Denn du kannst mich nicht ablehnen, solange du mein wahres Gesicht nicht siehst. Aber du kannst mich auch nicht m\u00f6gen, geschweige denn lieben.<\/p>\n<p>Ich hab lange gebraucht, um das echt zu begreifen. Ich brauchte Ausdauer, Ruhe und ausreichend Abstand f\u00fcr neue Blickwinkel wie zum Beispiel beim Handstand. Um wieder an mich zu glauben, war es wichtig zu zweifeln.<\/p>\n<p>Eins.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass ich je ohne Angst sein werde oder dass das irgend jemand ist. Aber darauf zu h\u00f6ren und mich selbst aufzuhalten, ist keine echte Option mehr f\u00fcr mich. Ich habe nichts mehr zu verbergen, nicht vor mir, nicht vor dir. Ab heute geht\u2019s los, dieser Tag ist goldrichtig daf\u00fcr. Mich selbst zu verstecken, ist wie mein Leben verschenken, ist wie mein eigenes Schiff nicht nach vorne zu lenken.<\/p>\n<p>Zwei.<\/p>\n<p>Ich sch\u00fcttle meine Asche ab wie ein Hund das nasse Wasser. Ich wecke mich aus dem Winterschlaf, ich war niemals vorher wacher. Ich steche Luftl\u00f6cher in meinen Kissenkokon und lasse frischen Wind herein. Ich werfe alte Schilder weg, ich werde trotzdem sicher sein. Ich durchtrete meinen Tellerrand wie alte, verstaubte Kulissen. Ich trete an den Horizont ran, wie an tauende, rei\u00dfende Fl\u00fcsse und sehe, dass ich keine Scheibe bin, sondern rund und ganz, wie eine Discokugel dreh ich mich jetzt, und ich bitte mich selber zum Tanz.<\/p>\n<p>Ab heute wird alles anders. Neustart, Stunde Null, erster Tag vom Rest meines Lebens. Ich wei\u00df, das hab ich schon oft gesagt. Aber diesmal ist es wirklich so.<\/p>\n<p>Meine alte Maske setze ich ab, das hier ist mein echtes Gesicht. \u00dcber so viele Winter will ich nie wieder warten, ich spiel&#8216; jetzt Verstecken mit offenen Karten, darauf bin ich stolz und ich f\u00fcrchte mich nicht. Es war schon l\u00e4ngst Zeit aus mir rauszukommen, ich war hier viel zu lange drin. Aber jetzt bin ich zur\u00fcck, jetzt siehst du, wie ich l\u00e4ngst schon bin.<\/p>\n<p>Drei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Von: Julia Engelmann)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf drei geht\u2019s los. 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